BESTÄNDE

Sonja Feßel

„ETWAS SENSATIONELL NEUES“ –
MARBURG IN FARBE

Zu den Autochromen von Georg Mylius am Deutschen Dokumentationszentrum für
Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg

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„Verehrter Freund! Sie klagen? Dies betrübt mich. Die Großstadt hat Sie nervös gemacht, und Sie möchten nach Marburg ziehen? Haben Sie nicht Angst vor den steilen Gassen, der Winterglätte, den Schneelawinen, die das Tauwetter von den Dächern reißt, und dem Philistertum einer Landstadt, die so isoliert im Felde liegt? Nicht Angst vor den vielen Hunden? Schon im fünfzehnten Jahrhundert waren hier die freilaufenden Hunde eine Plage, und an den Hundstagen ging der Scharfrichter um und schlug sie tot, gegen Vergütung.“ [1] – Mit diesen Zeilen beginnt ein vom Marburger Professor für Klassische Philologie verfasster Text, der 1913 in Westermanns Monatsheften erschienen ist. Wenngleich Theodor Birt (1852–1933) Marburg an der Lahn auch im übernächsten Abschnitt noch als „[a]ltmodisch wie eine Rumpelkammer“ beschreibt, so fährt er augenblicklich in ganz andersartigem Ton fort, um zunehmend eine regelrechte Lobeshymne anzustimmen, welche die Universitätsstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als lebendig und modern feiert. Er erzählt ihre Geschichte, beginnend mit Elisabeth, der Landgräfin von Thüringen (1207–1231), die 1228 nach Marburg kam, die Barmherzigkeit in die Stadt trug, bereits kurze Zeit nach ihrem frühen Tod heiliggesprochen wurde und deren Gebeine in der Elisabethkirche – „einem Erstwerk in der Geschichte der deutschen Gothik“ [2] – verwahrt wurden. Auch die Geschichte der Landgrafen im 16. Jahrhundert, zu der die Gründung der ersten protestantischen Universität im Jahr 1527 durch Philipp den Großmütigen (1504–1567) gehört, und die 1876 von Carl Schäfer (1844–1908) errichtete Neue Universität – „ein entzückender Schmuckbau, aber modern“ – schildert Birt, um dann ausführlich auf das feuchtfröhliche Studentenleben einzugehen. Sein Fazit ist schließlich ein durchwegs positives: „Auch heute ist Marburg eine gesunde Stadt und die Sterblichkeitsziffern sind auffallend günstig. [...] Übrigens ist Marburg, wie natürlich, auch modern geworden. Wo einst das Hospital der heiligen Elisabeth stand, liegt das Volk der neuen Kliniken. Große, bequeme Villenquartiere erfüllen die Ebene im Süden der Altstadt. Auch Fabriken haben sich eingenistet. [...] Und die Automobile kommen in ganzen Serien [...].“ [3]

Fortschrittlich ist aber nicht nur der dargelegte Gegenstand des Textes; auch seine Illustration mit insgesamt 19 Fotografien ist in dieser Hinsicht bemerkenswert. Zwölf davon sind Schwarz-Weiß-Abbildungen im – zu dieser Zeit allgemein gebräuchlichen – Autotypieverfahren. Sieben jedoch sind als Vierfarbendrucke jeweils mit dem Vermerk „Nach einer Farbenphotographie von Dr. Mylius“ wiedergegeben. Bereits der ausdrückliche Hinweis auf die „Farbenphotographie“ verdeutlicht die Besonderheit dieser Aufnahmen. Handelt es sich doch nicht um Photochrome, also um farbige Drucke nach Schwarz-Weiß-Aufnahmen, wie sie bereits seit 1888 möglich waren, deren Kolorierung jedoch künstlich bestimmt wurde [4], sondern um Reproduktionen nach farbigen Fotografien, genauer nach Lumière’schen Autochromen (Abb. 1), die zu dieser Zeit geradezu als revolutionär galten. Der wiederholte Hinweis auf den Autor der Bilder ist gleichfalls bemerkenswert. Von den Schwarz-Weiß-Abbildungen sind nur drei und dann einem einzigen Urheber zugeschrieben: „Phot. Prof. G. Kohl“. Die Darstellung des modernen Marburgs wird also unterstrichen durch die Verwendung von überaus modernen Bildern (Abb. 2).

Es ist ein Glücksfall, dass sich die „Farbenphotographie[n] von Dr. Mylius“, bei denen es sich ohne Zweifel um die ältesten Farbaufnahmen der Stadt Marburg handelt, erhalten haben. Der Bestand von insgesamt 86 Autochromplatten im Format 9 × 12 cm ging 1975 als Schenkung von Georg Heinrich Mylius (1884–1979) an das Hessische Staatsarchiv Marburg (HStAM) [5]. Im Hinblick auf eine konservatorisch optimale Verwahrung wurde das Konvolut 2018 an das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (DDK) übergeben.


Georg Mylius – Apotheker und begabter Amateurfotograf

Georg [Heinrich] Mylius wurde 1884 in Freiberg/Sachsen als Sohn des bekannten Apothekers Dr. Ernst Mylius (1846–1929) geboren (Abb. 3). 1902 trat er in die väterliche Engel-Apotheke in Leipzig ein. 1905 machte er sein pharmazeutisches Vorexamen, um 1906 bis 1908 an der Philipps-Universität in Marburg zu studieren. Hier promovierte er 1912 am Botanischen Institut bei Arthur Meyer (1850–1922) auch zum Dr. phil. Im gleichen Jahr erfolgte zudem die Approbation als Apotheker [6]. Mylius war bis 1914 in verschiedenen Apotheken tätig. Im September 1914 trat er in die Kosmetik-Firma von Dr. Tetzner zu Altona-Ottensen in Hamburg ein, die diverse kosmetische Präparate, Parfüme, Seifen und andere Drogerieartikel produzierte. 1929 wurde er Betriebsleiter der Leo-Werke GmbH in Dresden, wo er bis zu seiner Pensionierung 1958 arbeitete. Er verstarb 1979 in Dresden.

Die Fotografie kommt im Lebenslauf von Georg Mylius nicht unmittelbar vor. Wie er zur Fotografie – noch dazu zur frühen Farbfotografie – kam, ist nicht überliefert. Außer den Autochromplatten sind keine weiteren nennenswerten Fotobestände von ihm bekannt. Er war ein Amateur auf diesem Gebiet, wofür auch die Verwendung der Autochrome spricht, die nur selten von professionellen Fotografen genutzt wurden. Die Farbfotografien entstanden überwiegend während seines Studiums in Marburg. Möglicherweise ist er an der Universität zur Fotografie gekommen, lehrte doch Professor Dr. [Friedrich] Georg Kohl (1855–1910), dessen Schwarz-Weiß-Aufnahmen zusammen mit den Farbfotografien von Mylius in Theodor Birts Aufsatz in Westermanns Monatsheften abgedruckt sind, bis 1908 am Botanischen Institut der Universität Marburg [7]. Georg Kohl war zugleich um 1900 erster Vorsitzender der am 7. Februar 1896 gegründeten Photographischen Gesellschaft zu Marburg an der Lahn [8].

Obgleich Mylius ein Amateurfotograf war, erhielten seine Fotografien zeitweise große Aufmerksamkeit. In einem Brief, den er im März 1978 – ein Jahr vor seinem Tod – an seinen Sohn Gering Mylius (1920–2015) schrieb, blickte er auf seine Promotionszeit in Marburg zurück und vermerkte: „Ich war damals in Marburg nicht ganz unbekannt durch 24 Farbfotografien, die ich als Postkarten veröffentlicht hatte.“ Die Farbfotografie war, so Mylius weiter, „ja damals etwas sensationell Neues [...]: das Lumiérverfahren [sic!], Farbfilm gab es noch nicht.“ [9] Die hier erwähnten Postkarten hatte Gottlieb Braun (1876–1953), Inhaber des Marburger Traditionsverlags N. G. Elwert und selbst begeisterter Fotograf, ab 1912 im Dreifarbendruck verlegt (Abb. 4a, b) [10].

Dass Mylius’ Autochrome nicht nur lokales Interesse auf sich zogen, sondern sogar in Fachkreisen Anerkennung fanden, zeigt sich in der Aufnahme der „Lohmühle bei Marburg“ in das Lieferungswerk Farbenphotographie. Eine Sammlung von 100 Aufnahmen in natürlichen Farben, das Fritz Schmidt 1912/13 im Seemann Verlag in Leipzig herausgab (Abb. 5a, b). In seiner Einleitung zum ersten Heft würdigt Schmidt „[d]ie epochemachende Erfindung der Autochromplatte durch die Firma Lumière & Söhne“ und erläutert seine Absicht, Farbaufnahmen „von ausgezeichneten Berufsphotographen und Amateuren“ zusammenzutragen und „eine vollständige, allgemein verständlich dargestellte Anleitung zur Ausübung der Farbenphotographie zu geben“ [11]. Vor allem aber ruft er Berufs- wie Amateurfotografen auf, ihre Werke zur Publikation einzusenden: „Photographen oder Liebhaber der neuen Lichtbildkunst, die ihre Erzeugnisse auf dem vorliegenden Wege verbreitet zu sehen wünschen, werden gebeten, sich mit dem Herausgeber Herrn Professor Fritz Schmidt in Karlsruhe, Bachstraße 27, oder der unterzeichneten Verlagsbuchhandlung in Verbindung zu setzen.“ [12] Verlegt wurden zwölf Hefte mit jeweils fünf Bildtafeln und einem farbig illustrierten Textteil. Im zwölften und letzten Heft, in dem Mylius’ „Lohmühle“ als Tafel 59 erschien, resümierte Schmidt: „Das Interesse, das von Amateur- und Fachphotographen dem Unternehmen entgegengebracht wurde, war über Erwarten groß. Die Zahl der eingesandten Autochrome überstieg weit über 5 000. […] Es ist mir jetzt nach dem glücklichen Abschluß eine angenehme Pflicht, allen freundlichen Einsendern von Autochromen zu danken; die durch Farbendruck vervielfältigten Bilder werden den Ruhm der Urheber in weite Kreise tragen.“ [13] Dass eine Aufnahme von Georg Mylius aus über 5 000 Einsendungen ausgewählt und zusammen mit Aufnahmen der Brüder Lumière publiziert wurde, zeugt von der Anerkennung ihrer herausragenden bildlichen Qualität durch den versierten Fachmann.

Eine fotografische Karriere strebte Mylius nicht an. Im zitierten Brief an seinen Sohn berichtet er von einer Anfrage des Meteorologen Geheimrat Richard Assmann (1845–1918), der am Aerologischen Observatorium in Lindenberg bei Berlin tätig war, „ob man mit [s]einer Farbenfotografie nicht auch Wolkenaufnahmen machen könne.“ [14] Er habe dies jedoch abgelehnt, denn „das Lumièreverfahren mit Glasplatten [hatte] sich nicht gut bewährt, da alles blaustichig wurde.“ Mylius winkte folglich ab und begründete dies seinem Sohn gegenüber zugleich damit, dass er sich „nicht in diese Richtung ziehen lassen wollte.“ Mit Eintritt in das Berufsleben scheint er seine fotografische Tätigkeit eingestellt zu haben.

So ist Georg Mylius auch nicht zu verwechseln mit dem Frankfurter Fotografen Carl Friedrich Mylius (1827–1916), dessen 1860/61 gefertigtes, fast acht Meter langes Panorama der Stadt Frankfurt nicht nur damals eine Sensation war [15]. Die Namensgleichheit kommt allerdings nicht von ungefähr. Er war mit diesem entfernt verwandt [16] und hatte nachweislich Kontakt zu ihm. In seinem Tagebuch schildert Georg Mylius für Sonntag, den 2. Juni 1907 seinen Besuch beim betagten Carl Friedrich in Frankfurt am Main [17]. In handschriftlichen Notizen, welche die wichtigsten Ereignisse der Jahre 1898 bis 1919 festhalten, notierte er für September 1911 ebenfalls einen Aufenthalt „bei Mylius in Frankfurt a. M.“ [18]. Dass er Carl Friedrich Mylius in Frankfurt besuchte, wird nicht allein seinem Interesse an der Fotografie geschuldet gewesen sein. Georg Mylius hat sich bereits früh und dann sein Leben lang für die Geschichte seiner Familie interessiert. Ab 1916 war er für 55 Jahre ihr Archivar und wirkte von 1918 bis 1943 als Schriftführer der Mitteilungen des Verbandes der Familie Mylius-Schleiz. Vielleicht war es dennoch kein Zufall, dass er Carl Friedrich Mylius just in jenem Jahr in Frankfurt besuchte, in dem er die Marburger Autochrome fertigte.


Marburg, Bremen, Schweden – pittoreske Motive

Die Aufnahmen von Marburg entstanden im Frühjahr und im Herbst 1911 [19]. Handschriftlich dokumentierte Georg Mylius in einer Notiz zum Jahr 1911: „Okt. machte ich die Herbstserie der Farbenaufnahmen in Marburg.“ Und etwas weiter oben, links am Rand der gleichen Notiz – als Textergänzung mit einem Einfügungszeichen versehen – erweiterte er seine Aufzeichnungen mit: „Im Frühling machte ich die erste Serie der Farbenphotographien.“ Die Fotos zeigen das Marburger Landgrafenschloss, das majestätisch auf dem Hügel hoch über der Stadt thront, die Elisabethkirche (Abb. 6), Ansichten aus der Oberstadt mit ihren Kirchen und den Fachwerkhäusern aus dem 15. Jahrhundert, prachtvolle Landschaftsaufnahmen mit oder ohne die Lahn (Abb. 7), Eindrücke aus dem Stadtteil Weidenhausen sowie aus Orten der unmittelbaren Umgebung, beispielsweise aus Cappel oder Wetter. Etliche der architektonischen Motive gelten auch heute noch als besondere Sehenswürdigkeiten der Stadt. Einige Gebäude haben in der Zwischenzeit eine andere Nutzung erfahren, wurden teilweise umgebaut oder gar abgerissen. Auch viele der Landschaftsaufnahmen könnten heute in derselben Weise nicht mehr gemacht werden, da die Aufnahmestandpunkte oder auch die Landschaften selbst mittlerweile durch spätere Bauwerke verstellt sind. Bereits 1974 schrieb Mylius, dass die Aufnahmen „aus einer Zeit [stammten], in der Stadt und Umgebung noch unberührt von den neuzeitlichen Bauten in der Natur lag[en]“ [20].

Zu fast allen Postkartenmotiven haben sich die Autochromplatten erhalten. Das hübsche Motiv der Wäscherinnen an der Lahn mit Schäfers Neuer Universität, heute die Alte Universität, im Hintergrund ist als Platte jedoch verloren und nur noch über die dazugehörige Postkarte bekannt (vgl. Abb. 4a, b) [21]. Die Autochrome zu zwei weiteren Postkartenmotiven sind zerbrochen [22]. Neben den als Postkarten publizierten Marburger Aufnahmen gibt es im erhaltenen Bestand weitere Motive aus Marburg und Umgebung. Insgesamt sind es fast 70 Fotografien aus Mylius’ Marburger Zeit. Immer wieder tauchen spielende oder neugierig den Fotografen beobachtende Kinder auf den Fotografien auf (Abb. 8). Landschaftsaufnahmen gibt es aus unterschiedlichen Jahreszeiten. In den Frühlingsbildern stehen die Bäume und Wiesen in voller Blüte und die weiße, gelbe oder blaue Blütenpracht bildet einen schönen Kontrast zum frischen Grün der Gräser. Ebenso veranschaulichen die Herbstaufnahmen, die das bunte Farbspiel der sich wandelnden Natur vor teilweise schönstem blauem Himmel wiedergeben, eindrücklich die durch das Autochromverfahren gewonnenen Möglichkeiten. Aber auch kahle Bäume werden von Mylius stimmungsvoll ins Bild gesetzt (Abb. 9).


Von der Einfachheit des Verfahrens,
das in einem zur Projektion geeigneten Direkt-
positiv resultierte, profitierten insbesondere
die Amateurfotografen, die das Gros
derKundschaft ausmachten.“


Neben den Marburger Bildern gibt es weitere Aufnahmen, deren Motive zunächst verwunderten. Eines dieser Diapositive ist eine Luftaufnahme, auf deren Pergaminhülle handschriftlich vermerkt ist: „Bremen vom Freiluftballon aus 1912“ (Abb. 10). Die Fotografie ist am Sonntag, dem 23. Juni 1912 während einer Ballonfahrt von Marburg nach Bremervörde entstanden [23]. Dies belegen nicht allein der Brief an seinen Sohn und die Aufzeichnungen zum Jahr 1912, sondern die Bremervörder Zeitung berichtete am 24. Juni 1912 über die Fahrt beziehungsweise die Landung des „Ballon Marburg“ als lokales Ereignis und benennt die Teilnehmer der Fahrt namentlich [24]. Finanziert hat Mylius die Fahrt mit dem Ballon aus dem Honorar, das er für die Publikation der Postkarten erhalten hatte [25]. Mit einem Verfahren, in dessen Frühzeit die Verwendung eines Stativs zwingend notwendig war, aus einem Gasballon heraus zu fotografieren, ist bemerkenswert und zeugt von Mylius’ Pioniergeist, selbst wenn Ballonaufnahmen bereits seit der Frühzeit der Fotografie durchaus bezeugt sind. Ob während des Fluges weitere Fotos entstanden sind, ist nicht bekannt. Im heutigen Bestand ist die Luftaufnahme „vom Freiluftballon aus“ ein Einzelstück.

Das Konvolut beinhaltet zudem einige wenige Aufnahmen, die mit „Schweden“ oder „Schwedische Schären“ beschriftet sind (Abb. 11). Diese gaben zunächst Rätsel auf, aber im Familienarchiv befinden sich handschriftliche Notizen, die eine Deutung zulassen. Georg Mylius und besonders sein Vater Ernst Mylius waren leidenschaftliche Segler mit eigener Yacht. In einer handschriftlichen Notiz hielt Georg Mylius für das Jahr 1909 fest: „Er [Ernst Mylius, Anm. d. A.] wurde Vorstand des Kreuzeryachtverbandes. In den Sommerferien Reise nach Gothenburg. Bei der Rückreise wurden wir in der Faxebucht eingeweht. Dann gings bei schwerem Wetter nach Saßnitz.“ [26] In einem Tagebuchfragment, das wohl nachträglich mit „Segelreise nach Gothenburg, 1908“ [27] beschriftet und möglicherweise mit einer falschen Jahresangabe versehen ist, schildert Mylius über mehrere Seiten hinweg ihre Reise mit der „Albingia“. Mylius erwähnt zwar keine Aufnahmen, doch ist es wahrscheinlich, dass die Fotografien aus Schweden während einer Segelreise mit seinem Vater entstanden sind. Sollten sie tatsächlich bereits im Jahr 1909 oder gar 1908 entstanden sein, so würde es sich wohl um die frühesten Autochrome von Mylius handeln.

Auch weitere Aufnahmen, „Havelsee, Potsdam“ oder „Potsdam, Roonstr. 13“, lassen sich über familiäre Gegebenheiten erklären. Die Roonstraße in Potsdam war seit 1907 der Wohnsitz der Eltern [28]. Seine Schwester Elsa und ihr Mann Walther Mylius heirateten 1908 in Potsdam [29]. Mylius reiste regelmäßig dorthin.

Generell lassen sich die Motive der Autochrome mit Mylius’ Biografie verknüpfen. In ihrer fotografischen Qualität stechen die Aufnahmen aus Marburg allerdings heraus und das scheint auch Mylius gewusst zu haben, denn er schickte die nicht in Marburg entstandenen Aufnahmen eigentlich nur als ‚Puffermaterial‘ mit – zum Schutz der „wertvolle[n] Sammlung“ [30]: „In dem Kasten [...] liegen eine Anzahl getrennt eingewickelter Diapositive, die mit Marburg jedoch nichts zu tun haben. Sie sind nur der sicheren Verpackung der übrigen Platten wegen mit zugepackt.“ [31]


Zum Zustand der Autochromplatten

Seit 1900 durch die Brüder Auguste (1862–1954) und Louis Lumière (1864–1948) entwickelt, 1904 in Paris der Fachwelt vorgestellt und ab 1907 auf dem Markt erhältlich, war das Autochromverfahren in der Zeit der Nutzung durch Georg Mylius noch eine Neuheit und zugleich ein absoluter Renner auf dem Fotomarkt. Aufbauend auf den Entdeckungen und Entwicklungen anderer Fotografen wie Louis Ducos du Hauron (1837–1920), John Joly (1857–1933) oder James William McDonough (Lebensdaten unbekannt) entwickelten die Brüder Lumière ein Verfahren, das es erlaubt, mittels einer einzigen Platte Farbaufnahmen herzustellen [32]. Hierfür benötigte man weder eine besondere Kamera, noch bedurfte es außerordentlicher Kenntnisse der Fotografie oder Chemie. Die Platten wurden gebrauchsfertig verkauft und die Entwicklung verlief fast analog zu jener von Schwarz-Weiß-Platten; einzig eine leicht erlernbare Umkehrentwicklung war notwendig, die jedoch selbst auf Reisen im Hotelzimmer möglich war, wie ein Artikel in den Photographischen Mitteilungen des Jahres 1911 darlegt [33]. Von der Einfachheit des Verfahrens, das in einem zur Projektion geeigneten Direktpositiv resultierte, profitierten insbesondere die Amateurfotografen, die das Gros der Kundschaft ausmachten. Obwohl die Autochromplatten etwa dreimal so teuer waren wie Schwarz-Weiß-Materialien [34], schossen die Verkaufs- beziehungsweise Produktionszahlen schnell in die Höhe. In den Jahren 1908 bis 1913 produzierten die Brüder Lumière schätzungsweise zwischen 6 000 und 8 000 Platten pro Tag [35].

Die Autochrome gelangten bereits 1975 noch in der originalen Holzschachtel von Georg Mylius in das Staatsarchiv und wurden 2018 in derselben an das DDK übergeben. Die Glasplatten sind jeweils in Pergaminhüllen verpackt, die teilweise mit Bleistift beschriftet sind. Bei der Übernahme der Autochrome durch das DDK wurden diese eingehend untersucht und ihr Zustand dokumentiert. Mit den Glasplatten zusammen kamen Reproduktionen in Form von 83 Kleinbild-Diapositiven in sehr gutem Zustand ans Haus, die vermutlich in den 1980er Jahren von Dieter Woischke im Zusammenhang mit der Publikation Marburg 1849–1920 gemacht wurden und den Erhaltungszustand der Autochrome in etwa zum Zeitpunkt der Schenkung an das HStAM wiedergeben [36].

Ohne im Detail auf das Autochromverfahren eingehen zu wollen, sei hier nur der mehrschichtige Aufbau der Platten kurz beschrieben. Diese bestehen aus: a) dem Trägerglas, b) einer klebenden Lackschicht aus Naturlatex, c) dem Filter aus eingefärbten Kartoffelstärkekörnern und Ruß, d) einer weiteren Lackschicht, e) der panchromatischen Schwarz-Weiß-Emulsion, und f) einer abschließenden Lackschicht [37]. Zum Schutz der empfindlichen Schichten wurde bereits früh die Anbringung eines Deckglases empfohlen [38].

Die Farbigkeit der 86 Autochrome ist auch nach etwa 110 Jahren beeindruckend. Ebenfalls ist der Zustand der Platten grundsätzlich ein recht guter. Nur drei Platten sind zerbrochen [39]; an drei weiteren sind Teile weggebrochen. Auffällig an den Autochromen von Georg Mylius ist jedoch, dass diese weitestgehend (82 von 86) keine Deckgläser haben. 64 der Autochrome sind immerhin mit einem schützenden Lack versehen. Bei 17 Autochromen liegt jedoch die sensible Bromsilbergelatineschicht frei (Abb. 12). Insbesondere an den Rändern lassen sich häufig kleinere, nur in wenigen Fällen großflächige Ablösungen der fotochemischen Schicht beobachten, die sicherlich auch durch die Nutzung in einem Projektor zu erklären sind (Abb. 13). Interessant ist dabei, dass es stets die Bromsilberschicht ist, die sich ablöst, während die eingefärbten Kartoffelstärkekörner gut am Glas haften.

An den Autochromen lassen sich auch Spuren der Bearbeitung feststellen. Die Motive sind teilweise durch aufgeklebte schwarze Papierstreifen freigestellt. In einem Fall – einer Aufnahme der schwedischen Schären – wurde gar eine Art ovales Passepartout aus schwarzem Karton aufgeklebt. Bei etlichen Platten lassen sich an den Rändern Klebereste feststellen, die womöglich auf die von der Firma Lumière empfohlene Verklebung mit Bändern zurückzuführen sind [40]. Auf einigen wenigen Platten sind Retuschen erkennbar: In der Aufnahme mit den Kindern am Bach wurde versucht, ein Zaungitter, das sich links hinter den drei Kindern, aber vor den Bäumen befand, durch Retuschen zu entfernen (vgl. Abb. 8).

Obgleich der Gesamterhaltungszustand der Autochrome recht erfreulich ist, gibt es Handlungsbedarf für deren langfristige Verwahrung. In etlichen Fällen haben sich Schichtfragmente von den Platten gelöst, die dringend gesichert werden sollten. Es wäre hier zu überlegen, ob und mit welchem Verfahren sie wieder auf den Platten befestigt werden könnten. Die zerbrochenen Platten sollten auf einer zweiten Glasplatte für eine Langzeitsicherung fixiert werden. Bertrand Lavédrine und Jean-Paul Gandolfo empfehlen zudem in ihrer bis heute als Standard für die Autochromkonservierung und -restaurierung geltenden Publikation The Lumière Autochrome. History, Technology, and Preservation (2013) grundsätzlich die Ergänzung von Deckgläsern zum Schutz der fragilen fotochemischen Schichten [41]. In jedem Fall sollten die wertvollen Aufnahmen in angemessene Archivmaterialien neu verpackt werden. All dies steht noch aus. Am 17. und 18. Oktober 2019 veranstaltet das Deutsche Dokumentationszentrum fürKunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg einen wissenschaftlichen Workshop, an dem über diese – und andere – Fragen nachgedacht und diskutiert sowie Erfahrungen ausgetauscht werden sollen [42].


Digitalisierung und Online-Veröffentlichung

Im Hinblick auf ein Ausstellungsprojekt des HStAM zu den Marburg-Aufnahmen von Georg Mylius wurden die Autochrome am DDK hochauflösend digitalisiert [43]. Die Digitalisierung erfolgte mittels einer Phase One XF-Kamera mit einem IQ3 Digitalrückteil (11 6088 708 Pixel) und einem 120 mm Makroobjektiv der Firma Schneider-Kreuznach. Fotografiert wurde im RAW-Format. Die Aufnahmen erfolgten während einer Beleuchtung von unten, wobei zum Schutz der empfindlichen fotochemischen Schicht diese nach oben – also zur Kamera hin – zeigte [44]. Gleichzeitig wurden zur Dokumentation Auflichtaufnahmen gemacht. Die Bearbeitung erfolgte zunächst mit der Software Capture One. Je nach Art der Verwendung – ob digital, für eine Buchpublikation oder zur Fertigung von Prints zur Präsentation in der Ausstellung – werden die Digitalisate angepasst und für die jeweilige Ausgabe optimiert. Die Aufnahmen von Mylius werden vollständig in der Verbunddatenbank Bildindex der Kunst und Architektur (<www.bildindex.de>) online veröffentlicht und so der Forschung wie auch dem interessierten Publikum zugänglich gemacht.

Marburg in Fotografien um 1900

Von der Stadt Marburg gibt es aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl bedeutender (Schwarz-Weiß-)Aufnahmen [45]. Besonders hervorzuheben sind die Fotografien des ersten hessischen Denkmalpflegers und ab 1892 Bezirkskonservators von Kurhessen, Ludwig Bickell (1838–1901). Er dokumentierte ab 1869 auf höchstem Niveau wichtige architektonische Denkmäler ebenso wie vom Zerfall oder gar Abriss bedrohte Gebäude [46]. Etliche Aufnahmen Bickells dokumentieren das Marburger Landgrafenschloss, die Elisabethkirche oder die Neue [heute: Alte] Universität (Abb. 14). Bickells Bildsprache ist geprägt durch sein Interesse an den architektonischen Objekten, die er zu dokumentieren suchte und deren Besonderheiten er ins Bild setzte.

Mit Albrecht Meydenbauer (1834–1921) war ein weiterer bedeutender Fotograf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Marburg tätig. Meydenbauer, Bauingenieur und Begründer der Photogrammetrie, wurde 1879 zum Kreisbauinspektor und Universitätsarchitekten in Marburg ernannt, wo er den Bau etlicher Universitätsgebäude leitete (Abb. 15) [47]. 1883 fotografierte er im Auftrag des Preußischen Kultusministeriums die Elisabethkirche im 600. Jubiläumsjahr der Weihung in dem von ihm entwickelten Messbildverfahren zur exemplarischen Demonstration der Leistungsfähigkeit dieser Technologie [48]. 1885 erhielt Meydenbauer für deren weitere Entwicklung 10.000,- Mark zugesprochen. Noch im selben Jahr wurde er als Regierungsbaurat nach Berlin berufen, wo er die Königliche Preußische Messbildanstalt gründete und in den folgenden Jahren leitete.

Ob Georg Mylius die Fotografien von Bickell oder Meydenbauer kannte, ist nicht überliefert. Während Bickell als Fotograf in Marburg recht bekannt war und Abzüge seiner Aufnahmen wiederholt publiziert wurden sowie als Abzüge und Postkarten zirkulierten, waren Meydenbauers Messbilder eher im kleineren Kreis der Fachleute bekannt. Und obgleich es einige Überschneidungen in der Motivwahl gibt, so unterscheiden sich die Werke von Mylius im Gros doch grundlegend von jenen der denkmalpflegerisch geleiteten Architekturfotografen. Ein wesentlicher Unterschied ist die Verwendung der Autochromplatten und somit der Farbfotografie. Dies lässt sich nicht allein über die späte Entwicklung des Verfahrens durch die Brüder Lumière erklären, also zu einem Zeitpunkt, als Bickell bereits verstorben und Meydenbauer längst in Berlin tätig war. Es gab ja bereits frühere Versuche der Farbenfotografie beispielsweise durch Adolf Miethe (1862–1927). Jedoch blieb die Fotografie mit großformatigen Bromsilbergelatineplatten bis weit in die 1940er Jahre – also selbst als Kodak den Farbdiafilm erfunden hatte – für die Fotografie von Architektur und Kunst führend [49]. Zugleich handelt es sich bei etlichen der von Mylius gewählten Ansichten, beispielsweise beim Blick auf die Neue [heute: Alte] Universität [50], um klassische Perspektiven, die auch von Malern und Stechern wiederholt dargestellt wurden.

Mylius widmete sich, ungeachtet der hohen fotografischen Qualität seiner Bilder, als Laie und als Privatperson der Farbfotografie. Seine Aufnahmen sind eng mit seiner Biografie verbunden. Sie entstanden während der Studienzeit in Marburg, auf Reisen wie im familiären Umfeld. Seine Auffassung ist überwiegend, wie man verallgemeinernd wohl sagen könnte, die eines Piktorialisten. Darüber, ob sein Blick durch die malerische Tätigkeit seines Vaters geprägt wurde, kann nur spekuliert werden [51]. Durch die Publikation der 24 Ansichten als Postkarten sowie als Illustrationen des Artikels von Theodor Birt in Westermanns Monatsheften erfuhren sie eine weite Verbreitung und Rezeption. Es ist ein Glücksfall, dass diese Amateuraufnahmen als älteste Farbfotografien der Stadt Marburg erhalten geblieben sind und heute der Nachwelt in digitaler Form nachhaltig präsentiert werden können.


Ammerkungen

[1] Theodor Birt: „Marburg an der Lahn“, in: Westermanns Monatshefte, Vol. 57 (1913), Bd. 114, II, No. 682, S. 537–552, hier S. 537.

[2] Ebd., S. 539.

[3] Ebd., S. 539 und S. 550.

[4] Vgl. dazu sowie zum Dreifarbendruck von Autochromen Dorothea Peters: „Hildenbrand und andere – Aus der Frühzeit der Farbfotografie und des Farbdrucks“, in: Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hg.): Hans Hildenbrand. Hofphotograph und Pionier der frühen Farbfotografie, Ubstadt-Weiher: Regionalkultur 2018, S. 106–137, hier S. 108.

[5] 1989 wurden einige der Aufnahmen in der folgenden Publikation berücksichtigt: Angus Fowler und Dieter Woischke: Marburg 1849–1920, Marburg: Klaus Laaser 1989. Die Publikation endet mit den Farbaufnahmen von Georg Mylius. Ebenfalls wurden um 1990 zwei Sparkassen-Kalender mit Aufnahmen von Mylius herausgegeben.

[6] Zur Biografie siehe Horst Gering Mylius (Hg.): Geschichte der Familien Mylius-Schleiz und Mylius-Ansbach 1375–1990, Freiburg im Breisgau: Selbstverlag 1992, S. 514–517. Zu den Errungenschaften und Leistungen von Georg Mylius auf dem Gebiet der Pharmazie vgl. Christoph Friedrich: „Georg Mylius – Industrieapotheker und Pionier der Farbfotografie“, in: Geschichte der Pharmazie, Vol. 71 (2019), No. 1, S. 1–10.

[7] Catalogus Professorum Academiae Marburgensis: Die akademischen Lehrer der Philipps-Universität in Marburg von 1527 bis 1910, Marburg: N. G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung, G. Braun 1927, S. 488, online einsehbar unter <http://archiv.ub.uni-marburg.de/eb/2017/0135> (zuletzt eingesehen am 29.03.2019).

[8] Photographische Rundschau, Vol. 14 (1900), S. 20. Mylius promovierte allerdings bei Kohls ehemaligem Kollegen Arthur Meyer. Die beiden Marburger Professoren waren sich offenbar spinnefeind, da Kohl den Kollegen Meyer so vehement, wenn auch in anonymer Form, beleidigte, dass 1906 per Ministerialerlass ein Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet wurde. Vgl. dazu Catalogus Professorum Academiae Marburgensis 1927 (wie Anm. 7), S. 488.

[9] Brief an [Horst] Gering Mylius, 23.3.1978, Typoskript, S. 1 (Privatarchiv, Dresden).

[10] Zum Verlag vgl. Kleiner Führer durch ein altes Haus. Elwert, Universitäts-Buchhandlung und Verlag – 275 Jahre, Marburg: Elwert [2001].

[11] Fritz Schmidt: „Zur Einführung“, in: ders. (Hg.): Farbenphotographie. Eine Sammlung von 100 Aufnahmen in natürlichen Farben, Heft 1, Leipzig: E. A. Seemann 1912, o. P. Die ersten beiden Hefte erschienen bereits 1912, die folgenden wohl 1913. Das Sammelwerk liegt in allen zwölf Heften auch in einer holländischen Ausgabe vor: Meesterwerken der Kleurenphotographie. 100 Afbeeldingen in de natuurlijke kleuren, Leiden: A-W-Sijthoff’s Uitgevers-Maatschappij 1913.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Brief an [Horst] Gering Mylius (wie Anm. 9), S. 2.

[15] Vgl. dazu Kristina Lemke: „Carl Friedrich Mylius. Frankfurt Forever!“, in: StädelBlog, 25. Januar 2019, <http://blog.staedelmuseum.de/frankfurt-fotografien...> (zuletzt eingesehen am 19.03.2019).

[16] Der Urgroßvater von Georg Heinrich Mylius, Christian Ludwig, war der Halbbruder des Vaters von Carl Friedrich Mylius, der ebenfalls Carl Friedrich hieß. Oder anders ausgedrückt: Carl Friedrich Mylius war der Großonkel zweiten Grades von Georg Heinrich Mylius. Vgl. dazu Mylius 1992 (wie Anm. 6), S. 467–469, bzw. den Stammbaum der Nachfahren Caspar Möllers, ebd., S. 416.

[17] Tagebucheintrag vom 2. Juni 1907 (Privatarchiv, Dresden).

[18] Ich danke Ulrike Mylius-Fauler, der Enkelin von Georg Mylius, für den Hinweis auf diese sowie die weiteren Notizen, die sich in ihrem Familienarchiv befinden.

[19] Handschriftliche Notiz von Georg Mylius zum Jahr 1911 (Privatarchiv, Dresden).

[20] Georg Mylius im Angebotsbrief an das „Schloß-Museum zu Marburg“ vom 5.12.1974, der zur Bearbeitung an das HStAM weitergeleitet wurde (Dienstregistratur des HStAM).

[21] Ebenfalls nur in Form von Postkarten erhalten sind die Motive „Aus dem Botanischen Garten in Marburg.“ (Nr. 351) und „Blick über Kappel auf Marburg.“ (Nr. 348).

[22] Dies sind die Motive „Waldtal bei Marburg. (An der Damm-Mühle).“ (Nr. 344) und „Marburg. Vor Weidenhausen.“ (Nr. 373).

[23] Brief an [Horst] Gering Mylius (wie Anm. 9), S. 1., sowie handschriftliche Notiz von Georg Mylius zum Jahr 1912 (Privatarchiv, Dresden).

[24] [Redaktion]: „Lokales und Provinzielles“, in: Bremervörder Zeitung, 24. Juni 1912. An der Fahrt teilgenommen haben: Dr. Stuchtey (Physikalisches Institut, Marburg, und Ballonführer), Dr. Jentsch (Wetzlar), Fritz Mittelmann (Laasphe, Westfalen) und Dr. Mylius (Marburg).

[25] Brief von Eleonore Steinhof an Charlotte und Horst Gering Mylius, 1998 (Privatarchiv, Dresden).

[26] Handschriftliche Notiz von Georg Mylius zum Jahr 1909 (Privatarchiv, Dresden).

[27] Tagebuch von Georg Mylius (Privatarchiv, Dresden). Das Tagebuch ist leider nur fragmentarisch erhalten.

[28] Handschriftliche Notiz von Georg Mylius zum Jahr 1907 (Privatarchiv, Dresden).

[29] Handschriftliche Notiz von Georg Mylius zum Jahr 1908 (Privatarchiv, Dresden).

[30] Mylius 1974 (wie Anm. 20).

[31] Georg Mylius in einem Brief an Dr. Hans Philippi (HStAM) vom 15.01.1975 (Dienstregistratur des HStAM).

[32] Zur Geschichte und Technik des Autochroms vgl. Bertrand Lavédrine und Jean-Paul Gandolfo: The Lumière Autochrome. History, Technology, and Preservation, Los Angeles: The Getty Conservation Institute 2013.

[33] Auf einen Bericht des Comte de Dalmas im British Journal verweisend, wird in den Photographischen Mitteilungen geschildert: „Die Entwicklung geschieht zur Nachtzeit im Hotelzimmer, welches man dadurch zu einem Dunkelzimmer herrichtet, daß man das Fenster mit einer Steppdecke oder ähnlichem verhängt.“ Ohne Autor [Comte de Dalmas zitierend]: „Entwicklung von Autochromeplatten auf Reisen“, in: Photographische Mitteilungen. Halbmonatschrift für die Photographie unserer Zeit, Vol. 48 (15.6.1911), No. 12, S. 177–179, hier S. 177/178.

[34] Vgl. dazu sowie zur Geschichte, dem Verfahren und dem Aufbau der Platten: Marjen Schmidt und Dorothea Peters:„ ‚Impressionistischer Farbschmelz, atmosphärische Tiefe‘ – das Autochromeverfahren“, in: Haus der Geschichte Baden-Württemberg 2018 (wie Anm. 4), S. 138–151, hier S. 146.

[35] Lavédrine und Gandolfo 2013 (wie Anm. 32), S. 72.

[36] Fowler und Woischke 1989 (wie Anm. 5). Es wurden nur 83 der 86 Autochrome auf KB-Film reproduziert. Bei den drei nicht reproduzierten Aufnahmen handelt es sich um ‚Varianten‘, die vermutlich nicht als eigenständige Motive wahrgenommen wurden.

[37] Siehe dazu die ausführliche und sehr anschauliche Darstellung von Marjen Schmidt und Dorothea Peters: Schmidt und Peters 2018 (wie Anm. 34), S. 138–151.

[38] So bspw. von der Firma Lumière selbst: Société Anonyme des Plaques et Papiers Photographiques A. Lumière & Ses Fils (Hg.): Anweisung über die Behandlung der Autochromplatten, Lyon: [um 1908], S. 21.

[39] Bei der Übernahme durch das HStAM wurden 1975 drei Platten aufgrund von Glasbruch kassiert.

[40] Vgl. dazu Société Anonyme des Plaques et Papiers Photographiques A. Lumière & Ses Fils [um 1908] (wie Anm. 38), S. 21.

[41] Lavédrine und Gandolfo 2013 (wie Anm. 32), S. 199.

[42] Eingefärbte Kartoffelstärke auf Glasplatten – Wissenschaftlicher Workshop zur Lumière’schen Autochromfotografie, HStAM und DDK, 17./18. Oktober 2019, Konzept und Organisation: Dr. Sonja Feßel und Dr. des. Franziska Scheuer.

[43] Die Ausstellung „[E]twas sensationell Neues“. Marburg um 1910 in Farbfotografien von Georg Mylius findet vom27. Juni 2019 bis 5. Februar 2020 am HStAM statt. Ausgestellt werden nicht die Autochrome selbst, sondern moderne Drucke von den Digitalisaten, die vollständige Postkartenserie sowie die Aufnahmen kontextualisierende Dokumente.

[44] Hierin unterscheidet sich die Digitalisierung des DDK von jener, die Lavédrine und Gandolfo in ihrer Publikation von 2013 empfehlen (wie Anm. 32, S. 226–230). Es wurden im Vorfeld jedoch etliche Versuche unternommen, die zeigten, dass es bei den heutigen leistungsstarken Kameras keinen Unterschied macht, ob durch das Glas oder von der Schichtseite her fotografiert wird.

[45] Vgl. dazu auch Fowler und Woischke 1989 (wie Anm. 5).

[46] Circa 3 000 großformatige Glasplatten – davon mehr als 1 000 im Kollodium-Nass-Verfahren – befinden sich seit 1977 als Dauerleihgabe des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Zweigverein Marburg am DDK. 2013 wurde der Bestand vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in das Länderverzeichnis national wertvollen Kulturgutes und das Länderverzeichnis national wertvoller Archive nach dem Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung aufgenommen. Der Bestand ist online einsehbar im Bildindex der Kunst & Architektur (<www.bildindex.de>).

[47] Vgl. dazu Fowler und Woischke 1989 (wie Anm. 5), S. 10/11.

[48] Ein Album mit Aufnahmen der Marburger Elisabethkirche befindet sich in der Marburger Außenstelle des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.

[49] Zum Primat der Schwarz-Weiß-Reprofotografie für die kunsthistorische Lehre vgl. Monika Wagner: „Kunstgeschichte in Schwarz-Weiß. Visuelle Argumente bei Panofsky und Warburg“, in: dies. und Helmut Lethen (Hg.): Schwarz-Weiß als Evidenz. „With black and white you can keep more of adistance“, Frankfurt am Main: Campus 2015, S. 126–144.

[50] Dabei sei jedoch bemerkt, dass der Schäfer-Bau für Mylius auch von besonderem Interesse gewesen sein könnte, kannte er Carl Schäfer doch aus Karlsruhe, wo dieser ab 1894 lehrte. So notierte Mylius für das Jahr 1906: „Ich war oft mit Hermann in Carlsruhe [...] zusammen mit [...] Prof. Schäfer.“ Handschriftliche Notiz von Georg Mylius zum Jahr 1906 (Privatarchiv, Dresden).

[51] Diese These stellte die Enkelin von Georg Mylius, Ulrike Mylius-Fauler, in ihrer Ansprache anlässlich der Eröffnung der Ausstellung zu den Fotografien von Georg Mylius am HStAM auf (Typoskript, DDK).


AutorinDr. Sonja Feßel, Leiterin Fotografische Sammlung und Redaktion Rundbrief Fotografie, Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, Philipps-Universität Marburg, Biegenstr. 11, 35037 Marburg, Germany, Tel. +49-6421-28-22194, fessel@fotomarburg.de