Materialität

Erwin Zbinden

RANDMARKIERUNGEN

Neue Möglichkeiten der Datierung von Kleinbildfilmen

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Die Robert L. Capp Collection der Hoover Institution Archives der Stanford University in den Vereinigten Staaten enthält zehn Fotografien, die bis 2008 als Aufnahmen galten, die unmittelbar nach dem US-Atombombenabwurf auf Hiroshima entstanden seien. Nachdem sie der US-Historiker Sean L. Malloy in einer Publikation über den Abwurf der Atombombe verwendet und im Internet publiziert hatte [1], kamen jedoch Zweifel auf. Es stellte sich heraus, dass die Aufnahmen nicht 1945, sondern bereits 1923 in der Folge des Kanto-Erdbebens in Tokio aufgenommen worden waren. Malloy entfernte die Fotos aus dem Internet und übernahm die volle Verantwortung dafür, dass er die Angaben nicht kritisch überprüft hatte. Das Beispiel zeigt, wie zentral eine quellenkritische Überprüfung von Bildmaterial vor dessen Verwendung ist. Wie jeder Historiker seine schriftlichen Quellen überprüfen muss, so gilt dies ebenso für fotografische Bildquellen – in Hinblick auf die Überlieferungssituation, die Bildinformation und Nutzungsweisen sowie nicht zuletzt auf die Materialität der Aufnahmen, die Rückschlüsse auf Technik, Herstellung und Datierung zulassen können.


Material und QuellenlageDie hier vorgestellte Dissertation erforschte erstmals Randmarkierungen auf Kleinbildfilmen in systematischer Weise. Randmarkierungen als Datierungshilfen wurden bisher vor allem in Bezug auf Bewegtbildfilm untersucht [2]. In der Standbildfotografie wurden zur Identifikation bereits die Ein-kerbungen (Notch Codes) auf Planfilm hinzugezogen [3]. Monografien zum Thema Kleinbildfotografie be-schränkten sich bisher lediglich auf praktische Anleitungen für Fotoamateure oder auf spezifische Kamera-modelle. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Format Kleinbildfilm fand bisher kaum statt, da es als Träger der Gebrauchs- oder Massenfotografie – etwa im Gegensatz zur Fotografie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – einen geringen Stellenwert und wenig Prestige hat.

Die Quellenlage war zu Beginn der Untersuchung also eher dürftig, und dies umso mehr, als einzelne Film-Hersteller bereits gänzlich vom Markt verschwunden sind. Zudem waren Produktinformationen zu (Kleinbild-) Filmen „keine ‚bibliotheks- oder archivgerechte‘ Information“, sondern sie dienten als „Nutzerinformation für Fotografen und Fotolabors“ [4]. Die Hersteller waren daher in der Vergangenheit nicht an deren systematischer Aufbewahrung interessiert [5], und mit dem Verschwinden der analogen Fotografie drohen nun auch diejenigen Informationen, die allenfalls noch verstreut vorhanden sind, zu verschwinden: „Während fotografische Geräte [...] systematisch gesammelt und erforscht werden, findet man in Fotomuseen oder Archiven so gut wie keine systematische Sammlung von Fotomaterialien nach fototechnischen Gesichtspunkten“ [6].

Vor diesem Hintergrund ist die Sammeltätigkeit des Juristen und Publizisten Gert Koshofer ein Glücksfall. Er begann bereits 1951, als Schüler, sich intensiv mit Fotografie auseinanderzusetzen. Koshofer sammelte schon früh Informationsmaterial, Publikationen und Filme und publizierte zur internationalen Film-produktion in verschiedenen Zeitschriften. Hervorzuheben ist beispielsweise eine über mehrere Jahre in Moderne Fototechnik MFM erschienene Artikelserie, die Handelsnamen, Herstellerbezeichnungen, Empfindlichkeitsangaben, Produktionsdaten und technische Details zu rund 1 300 fotografischen Filmen aus aller Welt auflistet [7].

Aus diesen Daten wurden im Rahmen des Dissertationsprojektes 758 Datensätze zu Farbfilmen von Her-stellern wie Eastman Kodak, Fuji, Agfa-Gevaert, Ilford, 3M und einigen weiteren herausgefiltert, die den Weltmarkt für Kleinbildfotografie ab den 1930er Jahren bis um die Jahrtausendwende dominierten. Von diesen 758 Datensätzen beziehen sich 318 auf Diapositiv- und 440 auf Farbnegativfilme (Tab. 1). Erfasst wurden Hersteller, Vertrieb, Empfindlichkeit, Filmtyp, Lichttyp, Farbprozess, Kupplerverfahren, Farbmaske (Colornegativfilme) und die Produktionsdauer. Neben den von Gert Koshofer publizierten Angaben, deren Erfassung das Rückgrat des Datenbestandes ausmacht, wurden Filmmuster – mehrheitlich aus Koshofers Sammlung und zu einem kleineren Teil von dem Fotografen Felix Hoffmann – zusammengetragen und
ausgewertet.

Ferner wurden eine bisher unpublizierte, von Kodak-Bibliothekaren [8] erstellte Produkteliste und zwei DX-Code-Referenzwerke [9] der International Imaging Industry Association (I3A) – von 2001 und 2008 – heran-gezogen. Zur Beurteilung der Qualität von Koshofers Angaben wurden seine Angaben zu Kodak-Filmen mit der Liste der Kodak-Bibliothekare verglichen. Dieser Vergleich ergab eine hohe Übereinstimmung. Koshofer führte alle in der Liste enthaltenen Filme auf und nahezu alle Angaben stimmten überein. Nur bei fünf von über 100 verglichenen Kodak-Filmen wichen die Produktionsdaten um wenige Jahre ab. Der Datensatz von Koshofer war also von hoher Qualität. Zur Abschätzung der Vollständigkeit von Koshofers Liste in Bezug auf andere Hersteller wurden zudem die Filme aus Koshofers Sammlung mit der DX Code Referenzliste der I3A von 2001 verglichen. Hier ergab sich eine Abdeckung von rund 80 % für die Endphase des gesamten Untersuchungszeitraums, der insgesamt von den 1930er Jahren bis um 2010 reichte. Über den ganzen Zeitraum liegt die Abdeckung im Hinblick auf die hohe Übereinstimmung mit der Produktliste der Kodak-Bibliothekare vermutlich höher.

Die 299 Filmmuster, die sich aus 277 Mustern von Gert Koshofer und 22 Mustern des Fotografen Hoffmann zusammensetzen, repräsentieren 39,4 % der Datensätze. 150 Diapositiv-Muster stehen dabei 149 Farb-negativ-Mustern gegenüber. Die Werte zur prozentualen Abdeckung zeigen, dass es sich um weit mehr als eine Stichprobe handelt, dennoch wären weitere Muster zur Erhärtung von Befunden wünschenswert.


Historische Kleinbildfilm Datenbank

Die erhobenen Datensätze und Filmmuster sowie wichtige Quellen (I3A DX Codes for 135-Size Film, Liste der Kodak-Bibliothekare bis 1989) wurden in einer online-Datenbank – <www.bilderdienst.ch> – erfasst und werden dort auf Anfrage Forschern zur kollaborativen Recherche zugänglich gemacht [10]. Bereitgestellt wird die Auswertung der erfassten Merkmale – unterschieden nach Einzelmerkmalen und Merkmals-kombinationen. Die Historische Kleinbild Datenbank ermöglicht ebenfalls eine Listendarstellung von Filmtypen nach Herstellern, die auch deren Produktionszeiten beinhaltet (Abb. 1). Die Listendarstellung kann je nach Bedarf nach Herstellern oder Filmtypen gefiltert werden. Wahlweise können Ergebnisse mit oder ohne Bildreferenz angezeigt werden. Die Datenbank enthält insgesamt 1 243 Filmdatensätze von 33 Herstellern. Erfasst und ausgewertet sind insgesamt 440 Farbnegativfilmtypen sowie 318 Diapositivfilme von 19 Herstellern, etwa von Eastman Kodak, Fuji Film, Agfa und weiteren. Daneben enthält die Datenbank weitere 485 Schwarz-Weiß- und Farbfilmmuster und Filme von 14 weiteren Herstellern, die in der Untersuchung nicht ausgewertet wurden.

Das zentrale Werkzeug der Datenbankapplikation ist die Suchfunktion zur Identifizierung von Filmen anhand von Randmarkierungen. Es können einzelne Randmerkmale oder beliebige Merkmalsgruppen angewählt und so Filme überprüft werden.

Für die Leser des Rundbrief Fotografie wurde ein Nutzer-Account eingerichtet, der ab dem Publikationsdatum dieses Heftes für einen Monat freigeschaltet sein wird (URL: <www.bilderdienst.ch>, Username: rundbrief, Passwort: Fotografie2015). Dieser ermöglicht es, die im Folgenden erläuterten Beispiele auch anhand der Datenbank nachzuvollziehen. Über die Detailauswahl lassen sich die Beispiele stark vergrößert betrachten. Ein Repository listet Links zu verwendeten Quellen auf oder bietet sie zum Download an.


Randmarkierungen: Beispiele

Um die Vielfalt der Randmarkierungen auf Kleinbildfilmen zu veranschaulichen, werden nachfolgend einige Farbnegativ- sowie Farbdiafilmmuster näher betrachtet. Die fünf Bildbeispiele wurden mit Bedacht ausge-wählt, sodass sie einen großen Teil der beobachteten Merkmale abdecken.


Kodak Kodacolor II

Das erste Bildbeispiel zeigt einen Kodak Kodacolor II Farbnegativfilm (Abb. 2), der von 1973 bis 1976 in der Empfindlichkeit von 80 ASA produziert wurde [11]. Wenn wir uns den Randmarkierungen zuwenden, ist es wichtig, dass das Negativ korrekt vor uns liegt. Lässt sich die sich darauf befindende Nummerierung von links nach rechts aufsteigend lesen, liegt das Filmmuster korrekt orientiert vor uns.

Die Nummerierung ist eine zentrale Randmarkierung, die die Reihenfolge der Aufnahmen festhält. Dieses Muster zeigt nur am unteren Rand eine Bildzählung, die von Bild 7 bis Bild 10 läuft, respektive von Halbbild 7A bis Halbbild 10A. Beide Zählungen finden sich unter jedem Bild und werden als ‚redundante Merkmale‘ definiert [12].

Als zweites Merkmal sticht ein grüner Streifen ins Auge, der sowohl oberhalb als auch unterhalb der Bildfelder über der Perforierung zum Filmtransport einbelichtet ist [13]. Auf dem oberen grünen Streifen liegen regelmäßig verteilt Punkte weißer Farbe. Sowohl die Streifen als auch die weißen Punkte sind über oder unter jedem Bildfeld sichtbar.

Am oberen Rand sind zudem Schriftzeichen zu sehen, die auf dem Kopf stehen und in Gegenrichtung laufen. Die eine Schrift lautet „KODACOLOR II FILM“ und benennt das Filmprodukt, die zweite lautet „SAFE.TY FILM“. Es handelt sich also beim Filmträger um einen schwer brennbaren Sicherheitsfilm aus Cellulose-triacetat [14]. Zudem kann der Punkt zwischen SAFE und TY als Hinweis darauf gelesen werden, dass der Film bei Kodak Frankreich (Chalon-sur-Saône) produziert wurde [15].

Im Gegensatz zu der Nummerierung, den grünen Streifen und den weißen Punkten sind der Produktname und der Sicherheitshinweis nicht über jedem Bild sichtbar. Es handelt sich somit um ‚schwach redundante‘ Merkmale. Weitere Merkmale wie die Ziffern oben links oder die Pfeile, die bei der Nummerierung unten die Laufrichtung angeben, konnten bisher nicht bestimmt werden [16].

Zählung, Halbbildzählung, Farbstreifen oben und unten, weiße Punkte über dem Farbstreifen oben, Bildträgerinformation und Produktbezeichnung ergeben sieben eindeutige Merkmale.


Agfa Color XRS 200 Professional

Das zweite Bildbeispiel zeigt einen Agfa Color XRS 200 Professional (Abb. 3). Dieser Film wurde von 1984 bis 1991 in der Empfindlichkeit von 200 ASA produziert. Auch auf diesem Filmmuster findet sich eine Bildnummerierung unterhalb der unteren Perforation, die jedes Bild und Halbbild bezeichnet. Oben sind die Produktbezeichnung „AGFA XRS 200“ und ein vierstelliger Zahlencode „9523“ zu sehen. Daneben finden sich zwischen den oberen Perforationslöchern paarweise Quadrate in der Farbe Magenta. Die Einkerbungen am oberen Filmrand entstanden erst bei der Ausbelichtung der Negative auf Papier und interessieren im Rahmen der vorliegenden Untersuchung nicht weiter [17].

Für die Produktkennzeichnung bedeutsam sind hingegen die Strichcodierungen am unteren Filmrand. Bei genauerer Betrachtung lassen sich jeweils ein dreibeiniger Eingangsmarker links und einen zweibeiniger Ausgangsmarker rechts erkennen. Dazwischen können sieben Striche festgestellt werden, von denen einige bis an den Filmrand unten durchgezogen sind. Ein Strich beginnt erst in der Mitte und geht nach unten. Bei dieser Strichcodierung, die sich unter jedem Bild und Halbbild wiederholt, handelt es sich um einen Bestandteil der Data Exchange-Codierung (DX Codierung), die in den frühen 1980er Jahren von den Unternehmen Eastman Kodak und Fuji Photo entwickelt und ab 1984 von diesen und anderen Herstellern übernommen und eingeführt wurde [18]. Die DX Codierung wird weiter unten und in den Anmerkungen näher erläutert.

Mit Bildzählung, Halbbildzählung, DX Codierung, paarweisen Quadraten in der Farbe Magenta, einem vierstelligen Zahlencode und der Produktbezeichnung lassen sich für den Agfa Color XRS 200 Professional sechs Randmarkierungen feststellen. Vier dieser Merkmale sind redundant, die Produktbezeichnung und der vierstellige Zahlencode sind schwach redundant.


Fujicolor Superia 200

Auch das dritte Bildbeispiel ist ein Farbnegativfilm (Abb. 4). Bei diesem Muster handelt es sich um einen Fujicolor Superia 200, der von 1999 bis 2005 in der Empfindlichkeit von 200 ASA produziert wurde. Dieser Film verfügt über eine große Vielfalt an Merkmalen. So finden wir eine Bildzählung oben und unten, eine Halbbildzählung oben und unten, einen durchgehenden dünnen Farbstreifen in der Farbe Magenta oben und unten und unterbrochene Striche in der Farbe Grün oben und unten, näher zur Filmmitte hin liegend. Daneben lesen wir oben die Herstellerbezeichnung „FUJI“, die Bezeichnungen „S-200“ und „F80“ und „CA-6“ [19]. Während sich die Bezeichnung „S-200“ über allen vier Bildern findet und als redundant bezeichnet werden kann, lassen sich die Bezeichnungen „FUJI“, „F80“ und „CA-6“ über den vier Bildern nur einmal beobachten und sind damit schwach redundant.

Bemerkenswert ist auch die DX Codierung am unteren Rand des Filmstreifens. Während sich im vorigen Filmmuster zwischen dem Eingangs- und dem Ausgangs-Marker sieben senkrechte Striche zählen lassen, die zudem über das ganze Muster betrachtet identisch sind, finden sich hier nun elf senkrechte Striche, bei denen sich auf der rechten Seite die Unterlängen vom Bild zum Halbbild verändern. Diese erweiterte DX Codierung wurde ab 1990 eingeführt und codiert auch die Bild- oder Halbbildnummer des Films [20]. Wir können also von einer kurzen DX Codierung mit sieben Strichen oder von einer langen DX Codierung mit elf Strichen sprechen.

Die Zählung der Merkmale ergibt mit Bildnummerierung oben und unten, Halbbildnummerierung oben und unten, Bildstreifen und Strichen oben und unten in den Farben Magenta und Grün, der DX Codierung und den Hersteller- und übrigen Bezeichnungen zusammengefasst zehn Merkmale.


Kodachrome 25 (KM)

Im Gegensatz zu den Farbnegativfilmen, die in der Regel als Filmstreifen in den Archiven aufbewahrt werden, finden sich Farbdiapositive meist als Einzelbilder gerahmt. Das vierte Bildbeispiel zeigt ein Kleinbilddiapositiv des Filmtyps Kodachrome 25 (KM), der von 1974 bis 2001 mit der Empfindlichkeit von 25 ASA produziert wurde (Abb. 5).

An Randmarkierungen finden sich auf diesem Muster eine Bildzählung und eine (angeschnittene) Halbbildzählung. Neben der Bildzählung sind ein Rechteck und ein Quadrat sichtbar. Eine Produktbe-zeichnung und allfällige weitere, schwach redundante Merkmale finden sich auf diesem Einzelbild nicht. Somit lassen sich auf diesem Muster nur drei redundante Merkmale verzeichnen, die alle am unteren Film-rand liegen. Diese drei Merkmale reichen allein nicht aus, um den Filmtyp zu bestimmen und damit das Dia zu datieren. Das vorliegende Muster ließ sich in diesem Fall jedoch aus dem Sammlungskontext zuweisen.


Agfachrome RSX 50 Professional

Beim fünften Bildbeispiel handelt es sich um einen AGFA RSX 50 Professional Diapositivfilm, der ab 1995 bis mindestens 2001 mit der Empfindlichkeit von 50 ASA produziert wurde (Abb. 6). An Randmarkierungen lassen sich auf diesem Muster eine Bild- und Halbbildzählung sowie die Produktbezeichnung „AGFA RSX 50“ – also drei Merkmale – feststellen. Eine DX Codierung, wie sie ab 1984 auf Negativfilmen zu finden ist, ist hier nicht vorhanden [21].


Zur Systematik der Merkmale

Nach Auswertung aller 299 Filmmuster konnte eine Liste von Merkmalen zusammengestellt werden (Tab. 2). Neben den Merkmalstypen konnten auch Wertebereiche, das heißt möglicherweise vorkommende Werte, definiert werden. Das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein etwa der Bildzählung wird der Eindeutig-keit und Kürze wegen mit Ja oder Nein dargestellt. Für einzelne Merkmale wurde aus erfassungstechnischen Gründen die Option „Kein Wert“ gewählt, wenn ein Merkmal fehlte oder nicht in einer spezifischen Aus-prägung vorhanden war.

Die Merkmale 1 bis 4 decken die Bildzählung ab. Als spezielle Form der Zählung ist eine Zählung von Halbbildern xA und xB zu erwähnen, die sich auf einigen Fuji-Filmen findet. Die Merkmale 5 bis 8 repräsen-tieren die spezifische Ausrichtung von Schriften und Zählungen. Es konnten gespiegelte Schriften und um 90° gedrehte Zählungen beobachtet werden sowie solche, bei denen die einzelnen Ziffern am oberen Film-rand auf dem Kopf standen (180° gedreht), die Zählung aber unten von links nach rechts folgte (Adox, Perutz und weitere Hersteller) (Abb. 7).

Die Merkmale 9 bis 16 beschreiben die Anzahl, Farbe, Form und Gruppierung von Farbmarkierungen, die über der Perforierung einbelichtet sind. So finden sich Farbnegativfilme von Agfa, die mit grauen Halb-monden markiert sind, oder solche, bei denen Dreiecke in der Farbe Magenta und in Tripeln gruppiert auftreten. Die Bandbreite an solchen Markierungen ist wirklich erstaunlich (Abb. 8).

Das Merkmal 17 betrifft Farbmarkierungen und Formen, die entweder die obengenannten Farbmarkierungen überlagern oder neben der Bildzählung auftreten. Beispiele hierfür sind der weiße Punkt über einem Farb-streifen bei den Kodacolor II Filmen (vgl. Abb. 2) oder ein Rechteck und ein Quadrat neben der unteren Bildzählung bei Kodachrome 25 und 64 Filmen (vgl. Abb. 5).

Die Merkmale 18 bis 20 bilden die verschiedenen Strichcode-Systeme ab. Neben der Data Exchange-Codierung führte Fuji in den 1980er und 1990er Jahren ein eigenes Strich-Codierungssystem am oberen Filmrand, das ergänzend zur DX Codierung am unteren Rand einbelichtet war. Beispiele hierfür sind die Fujicolor Farbnegativfilme der HR Reihe, Reala Filme und Super G 100 bis 400 (Abb. 9).

Vierstellige Zahlencodes, die von Merkmal 21 abgedeckt werden, sind vor allem für Filme der Firma Eastman Kodak gut dokumentiert [22]. Sie codieren die Stärke der Trägerschicht und den Emulsionstyp und können Hinweise auf das Filmprodukt geben. So steht „5032“ für den Kodachrome 64 (KR) Diapositivfilm, „5076“ für den Kodachrome 200 (PKL). Das Merkmal findet sich sowohl auf Diapositiv- als auch auf Farbnegativfilmen. Auch auf Agfa-Filmen finden sich vierstellige Zahlencodes, mangels einer Dokumentation konnten diese Codes aber noch nicht zugewiesen werden.

Dreistellige Zahlencodes, wie sie in Merkmal 22 beschrieben werden, finden sich am häufigsten auf Filmen von Fuji, können aber auch auf Filmen von Konica, Agfa und Ansco beobachtet werden. Vermutlich codieren auch diese Werte Emulsionen, wenn auch hierzu bisher eine Dokumentation fehlt.

Merkmal 23 ist eine relativ offene Kategorie. Darin werden gemischte Zeichen- und Zahlencodes repräsen-tiert wie etwa ein Herstellername, eine Produktbezeichnung oder die Bezeichnung der Filmempfindlichkeit, was etwa auf einen „Agfa Color HDC 200“ plus zutrifft, wo diese Angabe genau so am oberen Rand des Filmstreifens einbelichtet ist.

Merkmal 24 schließlich gibt Hinweise zur Trägerschicht, wie etwa „Nitrate Film“ oder „Safety Film“.

Während die Merkmale 1 bis 20 hoch redundant und somit bei jedem Bild zu beobachten sind, handelt es sich bei den Merkmalen 21 bis 24 um solche, die in der Regel schwach redundant sind. Sie erscheinen in seltenen Fällen bei jedem Bild, meist aber nur bei jedem zweiten, vierten oder maximal sechsten Bild.


Identifizierung und Datierung

Die erfassten Randmerkmale wurden nach Merkmalskombinationen analysiert. Dabei wurden Farbdia-positiv- und Farbnegativfilme gesondert betrachtet. Zudem wurde unterschieden zwischen der alleinigen Betrachtung von redundanten Merkmalen und dem Einbezug von schwach redundanten Merkmalen. Ein spezielles Augenmerk wurde zudem auf die zeitliche Streuung der Resultate gelegt.

Unter alleinigem Einbezug redundanter Merkmale lassen sich lediglich 4 % der 150 Diapositivfilme identi-fizieren. Bezieht man die schwach redundanten Merkmale mit ein, steigt dieser Anteil auf 38 %. Anders ist es bei den 149 Farbnegativfilmen: Bei diesen lassen sich bereits anhand der redundanten Merkmale 38 % der Filme identifizieren. Unter Einbezug der schwach redundanten Merkmale sind es sogar 87 %. Werden zu-sätzlich die DX Codes ausgewertet, steigt der Wert gar auf 97 %. Farbnegativfilme lassen sich also viel besser identifizieren als Diapositive.

Analog stellt sich die Situation dar, wenn nach der Datierung der Filmmuster gefragt wird. Die Untersuch-ung der Farbdiapositivfilme hat zum Teil sehr große zeitliche Streuungen bei gleichzeitig großer Gruppen-größe gezeigt: Die größte Gruppe mit identischer Merkmalskombination – Ganz- und Halbbildzählung unten – umfasst 43 Filme (bei 150 Mustern) und eine zeitliche Streuung von 60 Jahren. Bei dieser Merkmalskom-bination gelingt keine genauere Datierung, da diese Randmarkierungen fast während des gesamten Produktionszeitraums von farbigen Kleinbilddiafilmen verwendet wurden.

Bei Farbnegativfilmen dagegen war die zeitliche Streuung der Merkmalskombinationen viel enger. Die maximale zeitliche Streuung betrug 17 Jahre bei einer Gruppengröße von 32 Filmen (von 149). In einem Zeitintervall von 10 Jahren lassen sich 9 % der Diapositiv-Filmmuster mit redundanten Merkmalen datieren, 58 %, wenn schwach redundante Merkmale hinzugezogen werden. Bei den Farbnegativfilmmustern hingegen liegen die Zahlen bei 72 respektive 97 % (unter Auswertung der DX Codes gar 99 %).


Möglichkeiten und Grenzen

Die unterschiedlichen Resultate von Diapositiv- und Farbnegativfilmen lassen sich hauptsächlich durch die unterschiedliche Anzahl der Randmerkmale erklären. So wurde bei den Diapositivfilmen ein harmonisches Mittel von 2.5, bei Farbnegativfilmen eines von 6.6 Merkmalen ausgezählt. Das heißt, dass Farbnegativfilme viel mehr Merkmale aufweisen als Diapositive und deshalb auch einfacher zu bestimmen sind.

Die Resultate sind jedoch auch vor dem Hintergrund der Datenlage zu lesen. Nur bei rund 40 % der bisher nachgewiesenen Filme stand auch ein Muster zur Verfügung, weshalb eindeutig erscheinende Zuweisungen bei wenigen Merkmalen noch nicht als sicher gelten können. Zudem sind bislang zwar sehr viele, aber wohl nicht alle produzierten Filme bekannt. Auch das trägt dazu bei, eindeutig erscheinende Zuordnungen mit Vorsicht zu interpretieren, gerade wenn sie aufgrund weniger Merkmale zustande kommen.

Deshalb sind Farbdiafilme kaum eindeutig zu identifizieren (außer es findet sich eine Produktbezeichnung), Farbnegativfilme können jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit gut bestimmt werden. Bei letzteren kann zudem der Datierungszeitraum besser eingegrenzt werden als bei Diapositivfilmen, auch wenn die eindeutige Identifizierung nicht gelingt.

Eine eindeutige Anzahl von Merkmalen für eine sichere Identifikation kann nicht genannt werden. Während Identifikationen mit 5 bis 7 und mehr Merkmalen als stabil erachtet werden können, ist bei Identifikationen von weniger als 4 Merkmalen keine Zuverlässigkeit der Resultate zu erwarten. Aus diesem Grund erscheint der Einbezug weiterer Merkmale – etwa die oben kurz erwähnten Pfeilsymbole – in die Untersuchung als ein wichtiges Desiderat der Forschung. Diese Merkmale wurden in der Untersuchung nicht berücksichtigt, weil eine sprachliche Beschreibung von verschiedenen Pfeilformen als sehr schwierig erschien und die bildliche Umsetzung für die Programmierung der Benutzerschnittstellen der Datenbank große, zusätzliche Hürden gebracht hätte.

Forschungsbedarf besteht weiterhin bei der Präzisierung und Vervollständigung der Daten zur fotografischen Filmproduktion, etwa anhand weiterer Quellen, sowie bei der Sammlung und Analyse weiterer Filmmuster. Ferner gilt es, alle DX Code Referenzen aus den Jahren ab 1984 zu finden und auszuwerten. Bislang sind erst die Jahrgänge 2001 und 2008 zugänglich. Da die Untersuchung zeigte, dass die Identifizierbarkeit und Datierbarkeit von Filmmustern mit der Anzahl der beobachteten Merkmale wahrscheinlicher wird, sollte in Zukunft auch die Auswertung bisher nicht berücksichtigter Merkmale (Pfeilsymbole, Schriftfarben etc.) in Betracht gezogen werden.


Konsequenzen für die Digitalisierung

Die Resultate der Untersuchung haben eine unmittelbare Konsequenz für die Langzeiterhaltung und Erschließung von Bildbeständen in Archiven und Bildkollektionen. Da Bildinhalte nur im Kontext richtig gelesen werden können und Datierungen hierfür unabdingbar sind, müssen Randmarkierungen, wann immer Bildmedien digitalisiert werden, in den Prozess mit eingeschlossen werden. Nur auf die Bildinhalte abzustellen, bedeutet, sich in Zukunft der Möglichkeit, die Fotografien in ihrem Kontext zu lesen, zu berauben [23]. Aber auch die Langzeiterhaltung der fotografischen Materialien als Möglichkeit des erneuten Rückgriffs auf Originale ist unabdingbar.


Anmerkungen[1] Sean L. Malloy: „Atomic Tragedy. Henry L. Stimson and the decision to use the bomb against Japan“, Ithaca, NY: Cornell University Press 2008, vgl. auch <http://faculty.ucmerced.edu/smalloy/atomic_tragedy...> (zuletzt eingesehen am 23.09.2014).

[2] Barbara Flückiger nennt zwei Titel: Harold Brown: Physical Characteristics of Early Films as Aids to Identification, Brüssel: FIAF 1990, sowie P. Read und M. Meyer: Restoration of Motion Picture Film, Oxford: Oxford University Press 2000 (zweite Auflage 2005). Vgl. Barbara Flückiger: „Material Properties of Historical Film in the Digital Age“, in: NECSUS: European Journal of Media Studies, Vol. 1 (2012), No. 2, S. 135–153, hier S. 140. Beide Publikationen (Read und Meyer 2000, S. 61; Brown 1990, S. 13) beschreiben das Datierungssystem von Kodak, das aus einer Kombination von Kreis, Quadrat, Dreieck und Kreuz besteht, erweitert um weitere Symbole für die Produktionsstätten in Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Kanada. Dieses Datierungssystem lässt sich aber auf den fotografischen Farbfilmen nicht nachweisen. Inwieweit schwarz-weiße Meterware dieses System verwendete, ist noch zu erforschen. Auch ein Datierungssystem von Fuji (Read und Meyer 2000, S. 61) lässt sich für die Standbildfotografie im Farbbereich von Fuji nicht nachweisen. Begonnen wurde mit den Einbelichtungen von Eastman Kodak um 1913 auf Kinofilmmaterial (ebd., S. 60).

[3] David G. Horvath untersucht Notch Codes nur bezogen auf Planfilm („Sheet film“). Im Fokus seiner Arbeit stehen die Trägerschichten von Filmen, Alterungsphänomene und konservatorische Maßnahmen. Vgl. David G. Horvath: The Acetat Negative Survey, Louisville: The University of Louisville 1987.

[4] Rudolf Gschwind: „Virtualität, Materialität und Funktionalität: Das analoge Archiv im digitalen Zeitalter“, in: Nora Mathys, Walter Leimgruber und Andrea Voellmin (Hg.): Über den Wert der Fotografie. Zu wissenschaftlichen Kriterien für die Bewahrung von Fotosammlungen, Baden: hier + jetzt 2013, S. 83–90, hier S. 87/88.

[5] Die auf die Silberhalogenid-Fotografie ausgerichteten Unternehmen konnten auf den schnellen Wandel hin zur Digitalfotografie nicht reagieren und verschwanden. AgfaPhoto, die 2004 aus Agfa-Gevaert entstanden war, meldete 2005 Zahlungsunfähigkeit an, Kodak beantragte 2012 Gläubigerschutz. Mit den Produktionsanlagen wurden in der Regel auch die Archive zerstört.

[6] Gschwind 2013 (wie Anm. 4), S. 88.

[7] Vgl. die Artikelserie „50 Jahre moderne Farbfotografie – Farbfilme des Weltmarktes 1936–86“ von Gert Koshofer, die zwischen Juni 1986 und Juli 1988 in 27 Teilen in MFM erschien, sowie eine zweite, kürzere Serie mit dem Titel „Die Farbfilme des Weltmarktes von 1986–1996. Veränderungen und aktueller Stand“, erschienen in MFM von März bis Juni 1996. Der Rundbrief Fotografie veröffentlichte in den Heften Neue Folge 8 (1995) sowie 9 und 10 (1996) drei Texte sowie ausführliche Bibliografien von Gert Koshofer, die auch auf diese Artikelserie verwiesen. Im Rundbrief Fotografie, Vol. 15 (2008), No. 4, N.F. 60, publizierte Koshofer einen Beitrag über „Filmbasierte Fotografie – Wandel und Bestand: Ein Überblick über den aktuellen Fotomarkt“ (S. 5–7) und im Rundbrief Fotografie, Vol. 17 (2010), No. 3, N.F. 67, erschien eine weitere Bibliografie mit Veröffentlichungen zwischen 1996 und 2010 (S. 24–29).

[8] Es handelt sich um eine bisher unpublizierte, von verschiedenen Kodak-Bibliothekaren zusammengestellte maschinenschriftliche Liste, die Kodak-Produkte von der Gründungszeit bis ins Jahr 1989 aufführt. Eine Kopie davon wurde mir von Todd Gustavson zur Verfügung gestellt. Robert Shanebrook, der an einer aktuelleren Ausgabe arbeitet, bestätigte die Angaben. Die Liste ist über das Repository von <www.bilderdienst.ch> zugänglich.

[9] Gemeint sind die „DX Codes for 135-Size Film“ von 2001 und 2008. In diesen Referenzwerken wurden den Herstellern Nummernblöcke zugewiesen, die diese wiederum ihren Filmprodukten zuordneten. Neben den Produktnummern wurden auch Generationscodes zugewiesen. Das Dokument von 2008 ist online einsehbar unter https://www.yumpu.com/it/document/view/3454560/dx-codes-for-135-size-film-international-imaging-industry-associationfilm-international-imaging-industry-association> (zuletzt eingesehen am 21.08.2015). Werden die binären Codes auf den Filmstreifen in dezimale Codes umgerechnet, lassen sich Filmmuster über den Referenzschlüssel eindeutig identifizieren. Das Dokument von 2001 wurde mir freundlicherweise von der Firma Imaging Solutions AG (Ex-Gretag) zur Verfügung gestellt und ist im Repository von www.bilderdienst.ch zugänglich. Diese beiden Referenzwerke sind derzeit die einzigen mir bekannten Dokumente dieses Typs. Da diese Quellenart zur Bestimmung von DX Codes unabdingbar ist, wäre es sehr wünschenswert, weitere derartige Quellen aus der Zeit ab 1984 zu finden.


[10] Forschenden im Bereich der Fotografie wird auf Anfrage (erwin.zbinden@picturebale.ch) ein gebühren-freier Zugang zur Datenbank gewährt, Institutionen und Firmen mit kommerzieller Zielsetzung werden um einen Beitrag zum Betrieb gebeten.


[11] Diese und die folgenden Angaben stammen von Gert Koshofer und wurden in MFM, No. 3(1987), S. 126, publiziert.

[12] Als redundante Merkmale werden solche definiert, die bei jeder Aufnahme einbelichtet sind, als schwach redundante solche, die unter jeder zweiten, dritten, vierten oder gar nur unter jeder sechsten Aufnahme zu sehen sind. Während auf Farbnegativstreifen die Wahrscheinlichkeit, auch schwach redundante Merkmale zu entdecken, hoch ist, kann man solche bei einem Einzeldia auch ‚verpassen‘.

[13] Zur Bedeutung der verschiedenen Farbmarkierungen wurde meines Wissens noch nicht geforscht, weshalb hier keine gesicherten Aussagen vorliegen. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass Farben zu Messzwecken einbelichtet wurden, um während des Herstellungsprozesses die Qualität der Filmproduktion kontrollieren zu können.

[14] Zumindest gilt dies für Filme von Kodak, wie mir Robert Shanebrook, ein langjähriger Kodak-Bibliothekar, versichert hat. Andere Hersteller mögen „Safety Film“ auch auf Polyesterfilme geschrieben haben. Gesichert ist die Abgrenzung zu den leicht entflammbaren Cellulosenitratfilmen.

[15] Vgl. dazu Brown 1990 (wie Anm. 2), S. 14. Laut Brown wurde diese Randsignierung von Eastman Kodak zusammen mit den Triacetatfilmen eingeführt. S.AFETY steht hier für den Produktionsstandort U.S.A., SA.FETY für Kanada, SAF.TY für UK, SAFE.TY wie oben erwähnt für Frankreich und SAFET.Y für Australien. Brown bezieht diese Merkmale auf Filmrollen für Bewegtfilm, doch wurde das Merkmal auch dem fotografischen Film von Kodak einbelichtet.

[16] Da die Untersuchung bereits zu Beginn darauf hin angelegt war, Resultate über eine Datenbank abzufragen, wurde eine Aufwand-Ertrag-Abschätzung getroffen. In die Untersuchung wurden nur Merkmale aufgenommen, die sich sprachlich einfach operationalisieren ließen. Die eindeutige sprachliche Beschreibung verschiedener Pfeilformen wurde dabei als zu aufwendig betrachtet und deshalb weggelassen.

[17] Die Einkerbungen dienten der Fixierung beim Transport des Filmmaterials durch die Ausbelichtungsmaschine in Großlabors; sie sind abhängig vom Typ der Ausbelichtungsmaschine.

[18] Die DX Codierung von Farbfilmen schafft die Möglichkeit, Filme von vor 1984 (ohne DX Codierung) von Filmen nach 1984 zu unterscheiden. Wie weiter gezeigt wird, lassen sich auch Filme mit DX Codierung weiter unterscheiden in Filme vor und nach 1990. Die DX Codierung rationalisierte und verbilligte den Prozess der Ausbelichtung von Film auf Papier, indem Farbkorrekturen automatisiert werden konnten.

[19] Der Hersteller Fuji Film schlüsselt einige dieser Angaben in einem technischen Datenblatt auf. Vgl. „Fuji Film Professional Data Guide: 1-3. Film Identification Edge Markings and Code Notches“, online zugänglich unter <http://gastonline.free.fr/Files/Film%20frame%2035m....pdf> (zuletzt eingesehen am 21.08.2015). „S-200“ bezeichnet den Film-Typ mit impliziter Information über die Filmempfindlichkeit, „F80“ die Produktions-Nummer (Emulsions-Nummer). „CA-6“ wird nicht aufgeschlüsselt, doch könnte es sich hierbei um eine Generationsnummer handeln.

[20] Vgl. dazu die Patentschrift US4965628 („Photographic Film with Latent Image Multi-Field Bar Code and Eye-Readable Symbols“), die Funktionsweise und Zweck der DX Codierung beschreibt und erläutert. Vgl. <www.google.com/patents/US4965628> (zuletzt eingesehen am 21.08.2015).

[21] Die DX Codierung findet sich nur auf Farbnegativfilmen, nicht aber auf Diafilmen. Da die DX Codierung im Hinblick auf eine Effizienzsteigerung bei der Ausbelichtung von Negativen auf Papier entwickelt wurde, fand sie bei Diafilmen – die ein Endprodukt darstellen – keine Verwendung.

[22] Vgl. dazu die Liste von Tom Philo unter <http://taphilo.com/photo/kodakfilmnumxref.shtml> (zuletzt eingesehen am 21.08.2015).

[23] Auf diesen Umstand hingewiesen hat bereits Elke Bauer. Elke Bauer: „Bildarchive im digitalen Wandel. Chancen und Herausforderungen“, in: Irene Ziehe und Ulrich Hägele (Hg.): Fotografie und Film im Archiv – Sammeln, Bewahren, Erforschen, Münster: Waxmann 2013, S. 27–38, hier S. 31/32.



AutorDr. Erwin Zbinden, Weiherhofstr. 109, 4054 Basel, Switzerland, Tel. +41-79-6746606, erwin.zbinden@picturebale.ch