In Memoriam Klaus B. Hendriks (1937-1996)

Klaus B. Hendriks, Direktor der Conservation Research Division am Canadian Conservation Institute CCI,
Ottawa, assistant co-ordinator der Arbeitsgruppe "graphic and photographic documents" von ICOM-CC,
begleitete den "Rundbrief Fotografie" seit der Nullnummer mit seiner Kolumne "on conservation".
Zur Erinnerung an den Kollegen und Wegbegleiter und als Informations- und Diskussionsmaterial für alle,
die sich mit der Konservierung und Restaurierung von Fotografien beschäftigen, werden - mit freundlicher
Genehmigung der Witwe, Geneviève Samson-Hendriks - an dieser Stelle die gesammelten Kolumnen von
Klaus B. Hendriks der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt.


Nachruf: Klaus B. Hendriks (Mogens S. Koch)

Die Kolumnen von Klaus B. Hendriks im "Rundbrief Fotografie"


Klaus B. Hendriks: Hamburg (Deutschland), 27. September 1937 - 27. Mai 1996, Kemptville (Canada)

„Klaus B. Hendriks ist am Montag, den 27. Mai, früh morgens gestorben." Das ist die kurze Nachricht, die ich in meiner e-mail-box fand.

Eine kurze Mitteilung wie so viele andere, aber von einer Tragweite, die ich noch schwer begreifen kann. Wir, die wir Klaus kannten, wußten, daß er seit langer Zeit sehr krank war. Nach jeder Behandlung erholte er sich, und wir hofften, daß der Alptraum damit vorbei wäre.

Klaus wurde 1971 an der Universität von Alberta in Edmonton zum PhD promoviert und trat 1975 in die Technical Division der National Archives of Canada ein. 1991 wurde er Direktor der neu gegründeten Conservation Research Division, die im Frühjahr 1994 ins Canadian Conservation Institute CCI überführt wurde.

1995 besuchte er mehrmals Europa, trotz seiner Krankheit. Er war bei einem Forschungssymposium im Mai in Kopenhagen beteiligt und lehrte ebenfalls im Mai an der Konservatorenschule in Göteborg. Im Sommer hatte er einen Studienaufenthalt auf Schloß Solitude bei Stuttgart, gleichzeitig unterrichtete er die angehenden Restauratoren an der Kunstakademie -- ein Aufenthalt, den er wegen eines neuen Krankheitsausbruchs abzubrechen gezwungen war. Zuletzt sah ich ihn beim Kongreß der IADA Ende September 1995 in Tübingen. Klaus war von seiner Krankheit gezeichnet, aber bis zum Schluß aktiv. Er hatte einen Lebenswillen und eine Stärke, die nur wenigen vergönnt ist. Seine Krankheit verschwand, wenn er vom Fach sprach, und am Telefon klang er gesund, wenn das Gespräch fachlich war.

Sein letzter Artikel „Die Erfindung der Silberhalogenidfotografie" steht auf den folgenden Seiten dieser Ausgabe des RUNDBRIEF FOTOGRAFIE. Ein Märchen hat er ihn genannt und nur zwei Wochen vor seinem Tod abgeschlossen. Der Text zeigt, wie sehr sein Herz für die Silberfotografie schlug. Er betont, wie wichtig es ist, die Fotografien selbst zu erhalten und nicht nur die bildmäßigen Informationen zu digitalisieren und dann das Original wegzuwerfen. Es ist ein sorgloses Märchen, sehr ironisch -- und was die modernen Medien angeht, gibt es Stoff zum Nachdenken.

Für das Fach Konservierung war Klaus ein Gewinn. Die ganze Profession muß sich freuen, daß er die Fotografie und nicht irgend etwas anderes gewählt hatte. Seine Arbeitsbedingungen waren nicht immer gut. Doch ließ er sich dadurch nicht einschränken. Er war die treibende Kraft für das erste internationale Symposium „The Stability and Preservation of Photographic Images" 1982 in Kanada. Klaus war aktiv im ICOM-Conservation Committee, wo er assistant co-ordinator in der Papiergruppe war, und er sorgte dafür, daß die Fotografie ihre eigene Arbeitsgruppe mit dem ersten selbständigen Treffen beim Kongreß des ICOM-CC 1990 in Dresden bekam. In der Periode von 1990 bis 1993 war er co-ordinator dieser Gruppe, ab 1993 assistant co-ordinator.

Klaus Hendriks hinterläßt ein umfangreiches Werk. Besonders muß sein Buch „Fundamentals of Photograph Conservation -- A Study Guide" erwähnt werden, in dem seine Kenntnisse und Überlegungen zur Fachdisziplin Fotokonservierung und -restaurierung zu finden sind. Darüber hinaus regte er die Einrichtung der Datenbank mit Artikeln zur Fotokonservierung an, die jetzt Teil des Conservation Information Network CIN ist.

Wir erinnern uns auch an seine Freude an der Natur, an Kanufahrten, an Waldwanderungen und an seinen hausgemachten Ahornsirup. Es sind etliche, die einen Nachtisch aus Walnußeis mit Ahornsirup „The Photo Conservator's Dessert" nennen.

Klaus war eine starke Persönlichkeit. Er war ein guter Botschafter insbesondere für die Fotokonservierung. Er war immer bereit, Studenten in seinem Labor zu empfangen, und viele, auch Europäer, haben von seinem Wissen und seiner Fähigkeit profitiert, komplizierte Sachverhalte verständlich darzustellen.

Wir sind viele, die Klaus vermissen werden und die jetzt an seine Frau Geneviève denken. Er wird uns fehlen.

Mogens S. Koch, Kopenhagen

Aus: Rundbrief Fotografie N.F. 10 (1996), S. 3.



© bei FOTOTEXT Verlag Wolfgang Jaworek, Stuttgart/DE. Angaben ohne Gewähr. Stand: 31.12.2013. Online-Redakteur: Wolfgang Jaworek