Aktuell:
Stellungnahme "Centrum für Photographie" - Rettet den Atelierbau Otto Hofmann + NEU: Gerettet!

Ausgewählte Texte 

AKTUELL: 

Fachgruppe Fotografie im Landesverband der Museen zu Berlin (LMB):

Stellungnahme zu den Plänen des "Centrum für Photographie" in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

In der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist die Einrichtung eines "Centrum für Photographie" in fortgeschrittener Planung. Ein solches Museum, das als selbständige Institution ganz der Fotografie gewidmet ist, wäre ein bemerkenswerter Fortschritt im deutschen Museumswesen. Denn durch die Zusammenführung der fotografischen Bestände aus den Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird einerseits ein zukunftsweisender Beitrag zur Erhaltung des fotografischen Erbes getan. Zugleich spiegelt sich hierin - über eine Ansammlung bedeutender Einzelwerke hinaus - Museumsgeschichte und die Geschichte der Fachdisziplinen in der Fotografie, wie umgekehrt deren strukturierender Einfluß auf jene deutlich würde. So gesehen eröffnet sich also auch die Perspektive eines medienhistorisch begriffenen "musée imaginaire" des 19. und 20. Jahrhunderts.

Das großzügige und einleuchtende Konzept stellt eine Innovation dar, die sich anregend auf die gesamte fotohistorische Arbeit in Deutschland auswirken und von europäischer Bedeutung sein wird. Hiermit würden Hoffnungen erfüllt, wie sie die seit einem Jahrzehnt tätigen Arbeitsgruppen in verschiedenen Bundesländern, so auch in Berlin, schon lange hegen.

In einer Sitzung der Fachgruppe Fotografie im Landesverband der Museen zu Berlin am 19. Januar d.J. teilte Dr. Günther Schauerte mit, daß die Baukosten für die Sanierung und Klimatisierung des östlichen Stülerbaus in Berlin-Charlottenburg gesichert sind. Angesichts der Bedeutung der Sammlung und der beispielgebenden Wirkung eines solchen hochrangigen Fotomuseums in der Hauptstadt Berlin ist die Gründung nur zu unterstützen. Wünschenwert jedoch ist, daß das neue Museum hinreichend mit Personal- und Sachmitteln ausgestattet wird, damit das spannende Konzept und das großartige Versprechen, das die Bestände machen, eingelöst werden kann. Alle Mittel und Wege sollten ausgeschöpft werden, um die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hierzu in die Lage zu setzen.

Angesichts der zu erwartenden Qualität, der Menge und des Zustands der Fotografien würde bei einer zu knapp bemessenen Zahl fotohistorisch rep. -konservatorisch erfahrener, fest angestellter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - ungeachtet der Zuarbeit von Honorarkräften - ein strukturelles Defizit institutionalisiert. Damit wäre absehbar gefährdet, daß die Bestände adäquat wissenschaftlich aufgearbeitet werden können und der Sammlung eine kontinuierliche Pflege angedeiht. Eine weitere Gefahr besteht darin, daß durch eine personelle Unterbesetzung die verkündeten Zielvorstellungen und die möglichen Inhalte der Arbeit des Hauses in Widerspruch zu ihrer Realisierung geraten - und dies wäre ein trauriger Rückschlag nicht nur für das Berliner Museumswesen.

Das "Centrum für Photographie" in Berlin zu konzipieren, ist eine Aufgabe, die die Aufmerksamkeit der gesamten Fachöffentlichkeit verdient.

Berlin, 17. Februar 1999

Sigrid Schulze, Frank-Michael Arndt
Sprecher der Fachgruppe Fotografie im Landesverband der Museen zu Berlin (LMB)

Siehe auch Wolfgang Hesse: Berlin: Centrum für Photographie. In: Rundbrief Fotografie N.F. 21 (1999), S. 26-28 (Vol. 6, No. 1).

 

Kirchheim unter Teck:

Rettet den Atelierbau des „Malers und Photographen" Otto Hofmann !

Es ist wahrscheinlich das einzige freistehende Fotoatelier, das sich in Süddeutschland aus der Zeit vor 1900 erhalten hat, das Fotoatelier Hofmann am Rande der Altstadt von Kirchheim/Teck. Sicher ist es das einzige, das vom Bauwerk über die vom Fotografen selbst gemalten Dekorationen bis zu Studioeinrichtung, Dunkelkammerausstattung und zahlreichen Fotografien alles in sich vereinigt, was die Berufsfotografie um 1900 ausmachte.

Der einfache Bau aus Bretterwänden und ursprünglich ganz verglaster nördlicher Wand- und Dachfläche macht auf den ersten Blick wenig Eindruck und wirkt eher ärmlich (Abb. 1), ganz im Gegensatz zu den noblen Raumimpressionen, welchen die hier entstandenen Fotografien vermitteln. Fast siebzig Jahre arbeitete der Fotograf in diesem Atelier, das er 1948 schloß, ohne einen Nachfolger zu haben. So überdauerte das Bauwerk von rund 45 qm Fläche die Jahre als Gartenhaus und Lagerschuppen fast ohne Veränderung.

Erst ein Abbruchantrag der derzeitigen Eigentümer &endash; die Fläche wird für eine andere Nutzung benötigt &endash; konfrontierte die Denkmalpflege mit der Frage der Erhaltung dieses seltenen Zeitdokuments. Die beweglichen Inventarteile konnten durch Übernahme in das Städtische Museum Kirchheim/Teck gesichert werden.

Das Atelierbauwerk

Nach außen unterscheidet sich das Bauwerk nur durch die großflächige Verglasung der nördlichen Dachhälfte und die graue Übermalung des Eingangsbereiches mit Liniendekor von einem Lagerschuppen. Innen bot sich bis zur Bergung der Dekorationen das Bild gepflegter, teils aufwendiger bürgerlicher Architektur mit Ausblick in pittoreske Landschaften, oder man fand sich inmitten von Landschafts-Szenen, wie z. B. im Weichbild der Teck. Austauschbare Bildvorhänge als Fortsetzung der an Wände und Decken gemalten Illusionen machten dies möglich (Abb. 2). Im Lauf der Jahrzehnte wurden die Dekorationen mehrfach verändert. Gemalt auf Zeitungsmakulatur in immer neuen Schichten, lassen sich die Malereien zeitlich mühelos einordnen und in Zusammenhang mit den vielen erhaltenen Fotografien aus dem Atelier bringen (Abb. 3). An Wand- und Deckenflächen, ausschließlich in grauen Tönen, malte Hofmann sein „Traumland", das in den zahlreich erhaltenen Bildern die real aufgenommenen Personen fast übergangslos weich umgibt. Grau deshalb, weil von der Farbfotografie zu dieser Zeit kaum geträumt wird. Malerei und Schwarzweiß-Fotografie verschmelzen im Bild zu einer Einheit.

Die Bildproduktion von Otto Hofmann umfaßt nicht nur das komplette Spektrum gewerblicher Atelierfotografie über einen langen Zeitraum. Im Schillernationalmuseum/Deutsches Literaturarchiv in Marbach werden drei Originalfotos aufbewahrt, die Hermann Hesse mit seinem Kirchheimer Freundeskreis vor der gemalten Kulisse des Teckberges zeigen (Entstehung 1897-1899; Abb. 4). Erst durch die Auffindung des originalen Bildhintergrundes konnte die Annahme, die Fotografien seien in Tübingen entstanden, berichtigt werden und außerdem eine Datierung vorgenommen werden. (Auf den Ruinen der Burg Teck wurde erst Anfang 1900 wieder ein Turm errichtet. Hofmann aktualisierte sein in Tempera gemaltes Teck-Bild, indem er den neuen Umriss einfach mit Bleistift aufmalte.)

Die vollständige Erhaltung des Ateliergebäudes mit Dunkelkammer, „Cabinett" (Warteraum) und Vorraum (Windfang) mit allen dekorativen Ausstattungen allein wäre schon Grund genug für die Erhaltung des Ateliergebäudes. Ein ganz besonderer Glücksfall ist die Tatsache, daß fast alle Original-Einrichtungsgegenstände des Ateliers erhalten sind, darunter die Studiokamera, die gemalten Bildhintergründe, die Dunkelkammereinrichtung mit Wannen, Mensuren usw., Atelieraccessoires wie Stuhl oder Blumentisch ebenso wie Vorhänge, Stoffe, Draperien usw.

Als Beispiele für den Reichtum des Gebäudes an Details seien stellvertretend genannt der Ausschnitt in der Außenwand der Dunkelkammer mit roter Glasscheibe als Vorgänger des elektrischen Rotlichts oder Skizzenblätter mit Vögeln, die man als Entwürfe einer jüngeren Ausmalung mit Himmel und Wolken wieder erkennt.

Überlebensperspektiven für das Ateliergebäude

Das Atelier Hofmann wurde vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg als Kulturdenkmal von wissenschaftlicher und heimatgeschichtlicher Bedeutung eingestuft. Da jedoch dem Eigentümer die Erhaltung des Kulturdenkmals nicht zugemutet werden kann, ist die Zustimmung zum Abbruch inzwischen bereits erteilt worden und muß im Frühjahr 1999 mit dem Vollzug gerechnet werden. Möglichkeiten zur Umsetzung des Ateliers innerhalb von Kirchheim, z.B. als Außenstelle des Städtischen Museum, waren nicht realisierbar. Eine Anfrage an das nahegelegene Freilichtmuseum Beuren, eine Einrichtung des Landkreises Esslingen/Neckar, ergab die grundsätzliche Bereitschaft, dem Fotoatelier eine neue Bleibe zu gewähren.

Hier wäre bei konservatorischer und wissenschaftlicher Betreuung (in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Museum Kirchheim) die Erhaltung und die Zugänglichkeit des Objekts gesichert. Das Freilichtmuseum Beuren hat in den ersten Jahren seines Bestehens jährlich schon rund 60.000 Besucher gezählt und tritt mit zahlreichen Aktionen, Ausstellungen und Veranstaltungen über Presse, Rundfunk und Fernsehen regelmäßig an die Öffentlichkeit. Das wiederentstandene Fotoatelier würde sicher einen großen Besucherkreis interessieren. Noch vor wenigen Monaten wurden im Atelier professionelle Modeaufnahmen gemacht, die viel Beachtung fanden und zeigten, daß das Atelier auch heute noch interessante Aufnahmemöglichkeiten bieten könnte.

Für den Abbau, den Transport und den Wiederaufbau wurden Gesamtkosten von ca. 177.000 DM ermittelt. Für den Abbau mit einer veranschlagten Summe von ca. 27.000 DM wurde bereits eine Bauleistungsspende im Wert von ca. 22.000 DM zugesagt, die allerdings an den tatsächlich erfolgten Wiederaufbau gebunden ist. Zur Zeit bemüht sich der Esslinger Landrat, Spender für die noch fehlenden 155.000 DM zu gewinnen.

Die Arbeitsgruppe „Fotografie im Museum" des Museumsverbands Baden-Württemberg hat zur Unterstützung der Rettungsaktion im Dezember 1998 eine Presseerklärung herausgegeben, die Anlaß für eine breite Berichterstattung in der regionalen Presse war.

Kontakt: Günter Mann, Freilichtmuseum Beuren, c/o Landratsamt Esslingen, Pulverwiesen 11, D-73726 Esslingen, Tel. 0711/39022307, Fax 0711/39021030.

aus: Rundbrief Fotografie N.F. 21 (1999), S. 24-25 (Vol. 6, No. 1).

NEU: Gerettet !

Ende November 1999 teilt das Freilichtmuseum Beuren - Museum des Landkreises Esslingen für ländliche Kultur - mit, daß dank einer Leistungsspende der Kirchheimer Firma "Kreislauf Wertrecycling" und mit Unterstützung durch das THW Kirchheim das Gebäude in einem ersten Schritt sorgfältig abgebaut werden konnte. Wie schon zuvor die Studioeinrichtung, die vom Fotografen selbst gemalten Dekorationen, die Dunkelkammerausstattung und die zahlreichen erhaltenen Originalfotografien wurde das Atelier vorläufig eingelagert. Mit den erforderlichen Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen wird voraussichtlich im Winter begonnen. Der eigentliche Wiederaufbau im Freilichtmuseum ist für das Jahr 2001 geplant. Hierfür soll versucht werden, weitere Spenden einzuwerben.

Freilichtmuseum Beuren, Landratsamt Esslingen, Pulverwiesen 11, D-73726 Esslingen, Tel. 0711-39 02-23 50, Fax 0711-39 02-10 30
Konto Förderverein Freilichtmuseum Beuren e.V., Kreissparkasse Esslingen (BLZ 611 500 20) Nr. 8600622



Ausgewählte Texte aus dem "Rundbrief Fotografie" und den Sonderheften



© bei FOTOTEXT Verlag Wolfgang Jaworek, Stuttgart/DE. Angaben ohne Gewähr. Stand: 31.12.2013. Online-Redakteur: Wolfgang Jaworek